So, wieder zurück in Hamburg. Ich jedenfalls. Sebastian ist natürlich in Berlin geblieben, wo er gleich daran gegangen ist, die Sprachaufnahmen, die wir letzte Woche absolviert haben, einzusortieren und für den Schnitt vorzubereiten.

Eine komplette Woche haben wir im Aufnahmestudio verbracht und dabei gleich mehrere neue Folgen auf einen Schlag aufgenommen: Die kommende Sonderedition „Oculus“ nach dem JOHN SINCLAIR-Roman von Wolfgang Hohlbein zum Beispiel. Sowie die nächste normale Sonderedition (lustiges Wortspiel, oder? :-) ), die im November erscheint und deren Titel an dieser Stelle noch nicht verraten werden soll. Und dann noch die Classics-Folge 32, sozusagen die allerallernormalste dieser Folgen.

Natürlich haben wir auch einige der Stammsprecher aufgenommen, neben Dietmar Wunder auch Alexandra Lange. Und weil Alexandra eine sehr liebenswerte Person ist, mit der man sich wunderbar unterhalten kann, kamen wir in einer Aufnahmepause wieder einmal ins Plaudern. Es ging um dies und das, und irgendwann kam das Gespräch dann (leider, muss man fast sagen) auf das Thema, um das sich heutzutage alles zu drehen scheint.

Um die sozialen Medien.

Es ist ja vieles davon an anderer Stelle schon hundert Mal durchgekaut werden. Ja, Facebook & Co. haben die Welt verändert. Nein, diese Veränderung ist nicht durchweg positiv, sondern sie hat auch ihre Schattenseiten. Das wird jeder verstehen, der schon einmal anonym beschimpft wurde, ganz gleich, ob es sich um Mobbing auf dem Schulhof handelt oder um einen Promi, der sich von seinen Fans verfolgt fühlt. In jedem Fall braucht man Nerven wie Stahl, um anonyme Beleidigungen auszuhalten.

Je länger das Phänomen des „öffentlichen Stammtisches“ nun schon anhält – und es hält ja bereits einige Jahre an, wenn ich mich nicht täusche –, desto mehr stellt man allerdings eine Veränderung fest. Es ist vielleicht immer wie bei einer Neuerung. Anfangs ist die Erregung groß. Und irgendwann geht das Leben weiter. Was, schon wieder jemand, der die neueste JOHN SINCLAIR-Folge abgrundtief scheiße fand und das neue Team am liebsten mit Mistgabeln vom Hof jagen würde? Schnarch. Das ist ja keine Arroganz, sondern einfach nur gesunder Selbstschutz.

Dabei erinnere ich mich noch gut an die ersten Monate nach der Veröffentlichung von Folge 71. „Ehrhardt hat sich wie eine Schmeißfliege in den Kot der Sinclair-Serie gesetzt!“, „Wann wird Ehrhardt endlich entlassen?“, „Da hilft nur eins – Öffentlichkeit schaffen!“, „Über diese Sache wird kein Gras wachsen!“ ...

Doch, wird es. Heute kann ich mit den Fingern durch die hüfthohen Gräser streichen und sagen: Es war sicherlich noch nicht alles rund an Folge 71, aber es war halt auch der übliche Dampf, der abgelassen wird.

Wir sollten uns alle klarmachen, was da neu über uns hinweggerollt ist: Ein gedankenlos geäußerter Spruch, den wir früher unter Freunden rausgehauen hätten, steht heute für jeden lesbar im Netz. Und auf der anderen Seite – der Seite all derjenigen, die solche Sprüche abbekommen – sollten wir diese Äußerungen als genau das verstehen, was sie sind: als Gerede ohne große Bedeutung, das nicht in die Öffentlichkeit gehört, aber durch die neuen Medien eben nun mal genau dort landet. Wer von uns ist denn nicht schon einmal heimlich über jemand anderen hergezogen oder hat ihm die Pest an den Hals gewünscht? Zu lästern, steckt dem Menschen wohl in den Genen. Dem einen mehr, dem anderen weniger. Und es ist zweifelsohne ein Ventil. Die wenigsten von uns möchten damit jemanden verletzen. Ich glaube, wenn beide Seiten sich stärker mit diesem neuen Mechanismus, dieser neuen Form der Öffentlichkeit in ihrer theoretischen Form befassen, dann können viel Leid und viele schlaflose Nächte vermieden werden. Nehmen wir nicht alles so schwer. Und besser noch, nehmen wir uns in unserer Wortwahl auf Facebook doch vielleicht etwas zurück. Schließlich hat mir auch noch niemand ins Gesicht gesagt, dass er mich gern entlassen sähe (ähm, wie soll das auch gehen, wo Lübbe mich doch gar nicht angestellt hat?). Das wäre dann wohl die nächste Eskalationsstufe.

Hoffentlich bleibt sie uns allen erspart.

Mit diesem Stoßseufzer haben Alexandra und wir dann schnell die Aufnahmen fortgesetzt, bevor wir uns weiter in ewigen Diskussionen verlieren konnten ... und so möchte ich auch diesen vielleicht etwas ungewöhnlichen Blogbeitrag beenden und für ein friedliches und freundliches Miteinander zwischen uns allen werben.

Wir lesen uns wieder in 14 Tagen, wenn John und Suko in Kanada nach einem Weg auf den Planeten der Magier suchen – gemeinsam mit der „Eismeer-Hexe“!

Dennis Ehrhardt