Heute geht es noch einmal um das Thema des letzten Blogbeitrags – die sozialen Medien und den rauen Ton, der darin herrscht – sowie um eine JOHN SINCLAIR-Folge, die bereits vor einigen Jahren erschienen ist: „Ewige Schreie“. Anlass ist eine Mail von Oliver Schmidt:

Lieber Dennis Ehrhardt, mit Interesse habe ich gerade Ihren aktuellen Sinclair-Blog gelesen, und stimme Ihren Worten zu. Der Ton im Internet ist ein viel zu rauer. Diskussionen werden kaum geführt, sondern anonym wird beschimpft und gepöbelt. Doch Ihre Worte lassen mich grübeln: Warum machen Sie bzw. SINCLAIR derart viel bei Facebook? Die offizielle SINCLAIR-Website verwaist, dafür werden Gewinnspiele und Co. fast ausschließlich via Facebook veranstaltet.

JOHN SINCLAIR Folge 84, „Ewige Schreie“Außerdem finde ich, dass auch Sie bzw. das Sinclair-Produktionsteam Fragen nicht wirklich beantworten. Sie haben kürzlich den schönen Dialog mit „Sheila Conolly“ veröffentlicht. Ich finde aber, dass die Kritik vieler Altfans – zu denen ich mich zähle – damit nicht entkräftet worden ist. „Tal der vergessenen Toten“ fand ich z. B. klasse, und auch die Kreuz-Trilogie wurde gut angepasst, um eben Doppelungen des späteren Serien-Verlaufs zu vermeiden. Warum aber schreiben Sie eine Geschichte wie „Ewige Schreie“ dermaßen um? Sam Davis war ein Bösewicht, warum wurde das abgemildert? Es brachte für den gesamten Handlungsverlauf keinen Mehrwert – im Gegensatz beispielsweise zur Kreuzformel (dass sie nicht ausgesprochen werden durfte). Sie haben so viele Storys, die an sich doch gute Geschichten erzählen, dermaßen umgebaut, das vom Original nichts mehr zu sehen war. „Der lächelnde Henker“ beispielsweise hat durch Ihre Umsetzung keinen Mehrwert bekommen. Solche kritische Stimmen sind doch mehrfach laut geworden, wirkliche Erklärungen gab es aber nicht.

Was mich persönlich auch gestört hat, war die Anspielung auf die Sinclair-Facebook-Seite in „Der Blutgraf“. „Erstmal Facebook checken“, meinte John doch da. Was soll er denn da checken? Was sein Freund Bill Conolly gerade gemacht hat? Oder welche neuen Hörspiele als nächstes herauskommen? Den Gag empfand ich als ganz blödes Product Placement.

Eines noch zum besseren Verständnis: Ich bin gar nicht bei Facebook angemeldet. Weil auf der normalen Homepage und in den SINCLAIR-Heften kaum Informations-Politik betrieben wird, bin ich aber „gezwungen“, auf Facebook zu stöbern.

Lieber Oliver, vielen Dank für Ihre Mail. Dass die Neuigkeiten zur Serie vorwiegend über Facebook platziert wurden, lag daran, dass eine neue Sinclair-Website lange im Aufbau war. Diese ist jedoch seit wenigen Tagen endlich fertig und jetzt unter www.sinclair-hoerspiele.de erreichbar. Dort gibt es nun jede Menge Infos zur Serie, u. a. mit einer Datenbank zu den Romanen und Hörspielen.

Zu Ihrer Frage, ob es sinnvoll ist, dass wir die Handlung einzelner Folgen verändern und anpassen und warum wir dies nicht genügend kommentieren. Sebastian und ich haben ja durchaus wiederholt zu diesem Thema Stellung genommen – nur hat eben jeder Fan der Serie bestimmte Romane oder Figuren, die ihm besonders gefallen, und findet es dann schade, wenn genau diese Elemente in den Hörspielen anders erzählt werden. Das wird sich auch nicht ändern, und es ist aus unserer Sicht auch völlig in Ordnung. Exemplarisch dazu kann man sich ja das „Gespräch“ mit „Sheila Conolly“ hier im Blog noch einmal durchlesen.

Ähnlich verhält es sich mit den Folgen, die Sie genannt haben. Gerade unsere Umsetzung von Folge 112, „Tal der vergessenen Toten“, hat sich vermutlich so weit von der Originalgeschichte entfernt wie keine Folge der Serie zuvor. Aber genau diese Folge fanden Sie wiederum gut. Andere fanden sie nicht so gut und haben zum Beispiel kritisiert, dass John Sinclairs Rolle in dem Hörspiel zu klein ausgefallen ist.

Die Kreuz-Trilogie und Folge 84, „Ewige Schreie“, sind weitere gute Beispiele. Wir wollten „Ewige Schreie“ unbedingt vertonen, weil es ein sehr atmosphärischer Roman ist – mit vielen gruseligen Elementen. Diese Stimmung wollten wir in der Hörspielumsetzung gezielt verstärken: indem wir aus dem klassischen Bösewicht eine tragische Figur machen, die selbst nicht erkennt, dass ihre Rückkehr schreckliche Folgen hat. Und es gab natürlich noch ein ganz zentrales Problem in der Folge: nämlich die ewigen Schreie. :-) Wie soll man die in einem Hörspiel vertonen, ohne dass einem Hörer nach spätestens fünf Minuten die Ohren bluten? Das mussten wir also anders lösen bzw. die Schreie, die im Buch teilweise über lange Passagen zu hören sind, etwas zurücknehmen. So kommen bei einer Adaption eben Änderungen zusammen, die manchmal in der Handlung, in den Figuren oder dramaturgischen Elementen, manchmal aber auch im neuen Medium begründet sind. Übrigens hat „Ewige Schreie“ auf Amazon durchschnittlich mit die besten Bewertungen bekommen. Es ist doch gut, dass die Geschmäcker verschieden sind – sonst gäb es ja überhaupt nichts, worüber man diskutieren könnte! :-)

Zum Abschluss noch eine kleine Auflösung des „Facebook-Gags“ im Blutgrafen. Diese Folge hatten wir mit Dietmar seinerzeit direkt nach der Veröffentlichung von Folge 71 aufgenommen. Wir befanden uns also im Auge des Shitstorms. Da hatten wir einfach die spontane Idee, Sinclair nach Abschluss des Blutgrafen-Falls selbst Facebook checken zu lassen, ob er wieder alles falsch gemacht hat ... Aus heutiger Sicht kommt uns das selbst ein bisschen albern vor, aber es war halt eine spontane Idee bei den Aufnahmen, und nun ist sie für alle Ewigkeit auf CD gebrannt ...

Viele Grüße und bis zum nächsten Mal

Dennis & Sebastian

P.S.: Und ja nicht Folge 114 vergessen: Die Eismeer-Hexe Rakina „heizt“ John und Suko darin seit gestern ganz schön ein!